Wer steckt hinter Lichtblicke?
In der 8. Klasse hat mein Physiklehrer in fast jeder Stunde zu mir gesagt: „Steffen, hör auf zu lachen“. Dabei habe ich gar nicht extra gelacht sondern einfach nur meinen normalen Gesichtsausdruck aufgelegt.

Offensichtlich habe ich meistens ein Lächeln im Gesicht. Das freut mich, denn Lächeln tut der Seele gut und öffnet Türen. Davon sind in meinem Leben dankenswerterweise schon viele aufgegangen.
Meine Eltern haben mir in meiner Kindheit und Jugend viele Türen geöffnet. Hinter einer dieser Türen, durch die ich durchgegangen bin, fand ich die aktive Teilhabe am Dorf- und Vereinsleben. Der Tischtennis- und Musikverein haben mich lange Jahre meines Lebens begleitet und ihnen verdanke ich viele Lichtblicke. Da ich ein Mensch bin, der gerne gibt, war für mich das ehrenamtliche Engagement ein naheliegender Zeitvertreib, welcher mir von meinen Eltern vorgelebt wurde. In der Jugendarbeit und später in der Vorstandschaft beider Vereine konnte ich viele Erfahrungen sammeln, von denen ich heute in meinem Alltag, der geprägt ist von vielen zwischenmenschlichen Beziehungen, profitiere. Tischtennis spiele ich nach wie vor aktiv.
Im weiteren Verlauf meines Lebens wurde mir die Möglichkeit gegeben nach meinem Mathematik und Spanisch Studium an der Universität Freiburg am Marta-Schanzenbach-Gymnasium in Gengenbach mein Referendariat zu machen. Am Ende der Referendarszeit ist eine weitere Tür aufgegangen: Ich durfte bleiben. An dieser zukunftsorientierten und innovativen Schule bin ich heute, nach 10 Jahren, immer noch und nach meinem Sabbatjahr hoffentlich weiterhin.
Am Seminar Freiburg konnte ich als Referendar ein Modul zur Erlebnispädagogik belegen, eine Tür zu einer weiteren spannenden und bereichernden Welt. An meiner Schule bin ich Teil des Epäd-Teams, welches jede 7. Klasse ein Quartal lang bei kooperativen Aufgaben und individuellen Herausforderungen begleitet.
Es macht mir viel Freude jungen Menschen auf ihrem Weg bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit zu begleiten und ich bin froh, dass die Persönlichkeitsentwicklung in Gengenbach groß geschrieben wird. Für unser MEP (=Marta entwickelt Persönlichkeit)-Konzept habe ich maßgeblich an der Entwicklung des Curriculums für das 2-Stündiges Fach MEP 11 mitgewirkt, welches in Klasse 11 (G9 Gymnasium) unterrichtet wird. Themen, wie eigene Stärken, Ziele, Mündigkeit, gewaltfreie Kommunikation, gute Entscheidungen treffen und die Organisation einer Selbstversorgerfahrt finden hier ihren Platz.
Durch meine Mutter gelangte ich zu einer weiteren Tür, durch die ich mir erst einmal eine Weile die dahinterliegende Welt der Meditation und Achtsamkeit aus der Ferne angeschaut habe, bevor ich mich entschlossen habe, auch ausgelöst durch eine persönliche tiefe Krise, diese Welt genauer zu erkunden. Über die Jahre habe ich eine eigene feste Meditationspraxis entwickelt und beim Arbor-Seminar in Freiburg die Weiterbildung „Achtsamkeit mit Kindern und Jugendlichen“ belegt.
Achtsamkeit, das Wahrnehmen des gegenwärtigen Moments, ohne ihn zu bewerten, ermöglicht es uns in Kontakt mit dem Leben und uns selber zu sein. In Kontakt mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen. Eine wichtige Basis für gute und wertschätzende Beziehungen und Kommunikation untereinander. Es ist mir eine Herzensangelegenheit meinen Schülerinnen und Schüler durch Erfahrungslernen Achtsamkeit näher zu bringen und ihnen einen möglichen Weg aufzuzeigen, der ihnen helfen kann sich selbstbesser kennenzulernen und trotz Chaos im Außen Ruhe und Frieden im Inneren zu finden.
In meiner Arbeit mit den Schülerinnen und Schüler liegt der Fokus auf der Beziehungsarbeit. Denn für mich, wie für viele andere, ist eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung die wichtigste Basis für erfolgreichen Unterricht. Es ist mir ein großes Anliegen eine Atmosphäre im Klassenzimmer zu schaffen, in der sich jeder Wohlfühlen kann, in der jeder angstfrei wirken kann, Fehler willkommen sind und ich meinen Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe begegne. Im Podcast Praktisch Pädagogisch von Dirk Fiebelkorn und Jens Eichert bin ich auf den Begriff professionelle Nähe gestoßen. Das ist genau das, was es in meinen Augen in der Schule des 21. Jahrhunderts braucht.
In meinen Augen braucht es radikale Veränderungen in unserem Schulsystem. Die Schule der Zukunft sollte für mich, neben der oben erwähnten Atmosphäre im Klassenzimmer, viel Raum für Projekte und Angebote haben, die Schülerinnen und Schülern das Lernen mit allen Sinnen ermöglicht und die Persönlichkeitsentwicklung fördert. Eine eigene Persönlichkeit herauszubilden ist mit die schwerste Lebensaufgabe, die uns unser ganzes Leben begleitet. Bei der Bewältigung dieser Aufgabe sollte Schule die jungen Menschen unterstützen und ihnen Gelegenheit geben sich in einem Geschützen Rahmen auszuprobieren, sowie sich selber und anderen zu begegnen.
Achtsamkeitsübungen können Schülerinnen und Schüler dabei helfen ihr eigener Chef zu werden, wie Vera Kaltwasser in ihrem Kartenset «Achtsamkeit in der Schule» beschreibt. Dadurch werden wichtige Qualitäten entwickelt, um in der heutigen Gesellschaft gut zurecht zu kommen.
Fest Verankert in einem Schultag sollten Momente der Stille und viele Gelegenheiten der Bewegung sein. Das sozial emotionale Lernen soll einen wichtigen Stellenwert einnehmen und praktisches Arbeiten mit den Händen und der Kontakt mit der Natur durch erlebnis- oder naturpädagogische Angebote sollten noch mehr Raum haben. Durch mein eigenes Wirken im Klassenzimmer und in der Schulgemeinschaft möchte ich meinen Teil zu diesem Wandel beitragen.
Zusammengefasst kann ich sagen:
Ich, Steffen Fleig, bin…
…ein lebensfroher, offener Mensch, der gerne lacht, sportlich aktiv ist, gerne verreist und neue Menschen und Kulturen kennenlernt, der sich gerne ehrenamtlich engagiert, ein engagierter Lehrer, der für sich selber die Achtsamkeit entdeckt hat, in dessen Leben Meditation und Selbstmitgefühl einen Platz gefunden hat, der darum bemüht ist andere Menschen, vor allem Jugendliche mit der Achtsamkeit und dadurch mit sich selber in Kontakt zu bringen, dem seine eigene Persönlichkeitsentwicklung und die seiner Schülerinnen und Schüler sehr am Herzen liegt und der gelernt hat den Fokus auf das Positive zu richten und mit viel Freude durchs Leben geht.
Welche ideelle Basis steht hinter meinen Texten?
In meinen Blogbeiträgen stelle ich meine Sichtweisen zu aktuellen Themen und Entwicklungen der Gesellschaft, insbesondere im Kontext Schule und Persönlichkeitsentwicklung dar. Mein Bestreben ist mehr Zufriedenheit und Leichtigkeit in das Leben in und außerhalb der Schule und in die Beziehung mit uns selber und in Gemeinschaft mit anderen zu bringen. Eine zentrale Frage dabei ist für mich wie kann Achtsamkeit mich selber, die Schülerinnen und Schüler sowie die Kolleginnen und Kollegen unterstützen? Beim Schreiben meiner Text stütze ich mich zunächst auf meine eigene Erfahrungen im Unterricht und auf meinem ganz persönlichen Weg. Seitdem ich mich, mittlerweile fast 5 Jahre, intensiv mit mir selbst, dem Thema Persönlichkeitsentwicklung und Achtsamkeit (mit Kindern und Jugendlichen) beschäftige, habe ich zu diesen Themen einige (Fach-)literatur gelesen, eine Weiterbildung und ein Retreat gemacht, sowie einige Vorträge und Webinare gehört. All das bietet die Basis für die Entwicklung meiner Gedanken in meinen Texten und für die Impulse aus meinem eigenen Unterricht. Wichtige Namen und Institutionen in diesem Zusammenhang sind für mich u.a. Thich Nhat Hanh, die Arbor-Seminare Freiburg, Daniel Rechtschaffen, Peter Bergholz, Stephen W. Porges, Jorge und Demián Bucay, Dr. Wilfried Reuter. Die Aufzählung ist an dieser Stelle nicht abschließend.
Mein erlerntes Wissen in der Weiterbildung «Achtsamkeit mit Kinder und Jugendlichen», angeboten durch Arbor-Seminare Freiburg, unter der Leitung von Lienhard Valentin, Dörte Westphal, Amy Burke und Kevin Hawkins bilden die ideelle Basis meiner Texte. Dazu resultieren viele Gedanken aus meinen Erfahrungen im Retreat im European Institute for Applied Buddhism, gegründet von Thich Nhat Hanh, sowie aus seinen Bücher «Happy Teachers Change the world» und «Frieden mit jedem Atemzug» . Vieles was ihr lesen werdet, ist in meinen eigenen Worten formuliert und zusammengetragen, basierend auf all diesen vielen Büchern und Vorträgen, mit denen ich mich beschäftige.
Ich werde all meinen Texten selbstverständlich ein Literaturverzeichnis anhängen und gleichzeitig könnt ihr euch sicher sein, dass die oben genanten Quellen und Personen Einfluss auf alle meine Beiträge haben.
Quellenverzeichnis
- Nhat Hanh, Thich, und Katherine Weare: Happy Teachers Change the World: A Guide fpr Cultivating Mindfulness in Education. Berkeley: Parallax Press, 2017.
- Nhat Hanh, Thich: Frieden mit jedem Atemzug: Wie Achtsamkeit uns heilt und die Welt verändert. Freiburg: Herder Verlag, 2016.
- Westphal, Dörte; Valentin, Lienhard; Hawkins, Kevin und Burke, Amy: AmiKi-Weiterbildung: Achtsamkeit mit Kindern und Jugendlichen, 2020/21 Arbor-Seminare Freiburg