Lichtimpuls #3 – Mut zur Bewegung

Wir Menschen besitzen die Fähigkeit der Vorfreude und das lässt uns viele positive Momente Erleben, wenn wir auf etwas Hinfiebern, was wir uns wirklich wünschen und über was wir uns von ganzem Herzen freuen. Eine Sache auf die wahrscheinlich alle Eltern dieser Welt hinfiebern, ist der Moment der ersten Schritte des eigenen Kindes. Ein Moment großer Freunde und angenehmer Gefühle. Wenn du keine Kinder hast, dann hast du diese (Vor-)Freude vielleicht bei Freunden oder Verwandten schon miterleben dürfen. Dieser Moment ist auch mit ganz viel Stolz verbunden. Es ist auch eine herausragende Leistung, die vielen von uns gelungen ist.

Soweit so schön: Kinder haben Laufen gelernt und Alle freuen sich. Nach nur wenigen Jahren heißt es dann aber: Schön, dass du Laufen kannst, jetzt setz dich aber bitte 6 Stunden still auf deinen Stuhl. Und bitte sei auch noch leise dabei und mach alles was ich dir sage. Von außen betrachtet völlig verrückt. Gut, es ist etwas übertrieben. Keine SchülerIn muss 6 Stunden am Stück still sitzen, denn es gibt ja noch Pausen (wenn auch  sehr kurze) und zwischendurch dürfen SchülerInnen sich auch mal im Unterricht bewegen, um Arbeitsblätter auszuteilen oder wenn sie sich für eine Gruppenarbeit umsetzen. Dennoch bewegen sie sich an so einem Vormittag viel zu wenig. Die Pausen werden bei Vielen auch nicht zur Bewegung genutzt. Wir haben wohl schon ganze Arbeit geleistet und ihnen die Lust am Bewegen abtrainiert. 

Dabei ist Bewegung für ein gesundes, zufriedenes und glückliches Leben unabdingbar. Bewegung kann uns helfen Stress abzubauen und das Nervensystem zu beruhigen.

Weißt du warum sich Hunde schütteln?

„Das Schütteln bei Hunden ist weit mehr als nur eine Methode, um das Fell nach Wasserkontakt schneller trocken zu bekommen oder Staub loszuwerden. Es ist häufig eine natürliche Reaktion auf Stress und Anspannung. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Schütteln dabei hilft, das Nervensystem gewissermaßen zu „resetten“. Wenn Hunde eine stressige Situation erleben – sei es ein lauter Knall, ein unangenehmes Treffen mit einem anderen Hund oder der leidige Besuch beim Tierarzt –, folgt oftmals ein kräftiges Schütteln. Dieses Abreagieren hilft ihnen, die Anspannung buchstäblich abzuschütteln und wieder in einen ausgeglichenen Zustand zu kommen.“

(Quelle: https://gluecksquellen.de/shake-it-off-warum-hunde-sich-schuetteln-gluecksimpuls-nr-46/ 11.02.25, 19:29 Uhr )

Wir Menschen besitzen ebenfalls diese Fähigkeit durch Schütteln Stress abzubauen . Babys machen das häufig, doch irgendwann fangen die meisten Menschen an, diesen Impuls bewusst zu unterdrücken. Ein häufiger Grund ist die Angst schwach zu wirken,  wie es in dem Artikel1 «Neurogenes Zittern – wie sich Stress abschütteln lässt» , erschienen im Geo Magazin, heißt. 

Wir sind eine so intelligente Spezies und gleichzeitig nehmen wir uns selber oder lassen uns so viele Dinge nehmen, die gut für uns sind , wie z.B. eben Schütteln um das Nervensystem zu beruhigen oder unsere Emotionen zu zeigen und zu unseren Schwächen und Fehlern zu stehen. Anscheinend leiden wir lieber, als dass wir das machen, was uns gut tut. Was mich dabei besonders traurig stimmt ist, dass in Wirklichkeit häufig jeder unter dem Selben leidet und alle die gleiche Idee um Besserung herbeizuführen im Kopf haben, sich aber keiner traut, weil er vom anderen denkt, dass der denkt, dass das gerade nicht angebracht ist.
Du kannst den Unterschied machen und dich selbst und alle Anderen  von einem Teil ihres Leidens befreien, wenn du dich über diesen Teufelskreis hinwegsetzt und machst, was dir gut tut. Das erfordert etwas Mut. Lasst uns gemeinsam mutig sein und auf unsere innere Stimme hören und darauf vertrauen. 

Bewegung in meinem Unterricht

Ich habe auch eine Weile gebraucht, um den Mut zu finden Bewegung in mein Klassenzimmer zu bringen. 
Ich bewege mich selbst sehr gerne und kenne dadurch die positiven Effekte von Bewegung sehr gut.Ich habe in meinen Alltag viele Bewegungsmomente integriert. Dies wirkt sich sehr positiv auf mein inneres Gleichgewicht aus. 

Das hat meinen Wunsch nochmal verstärkt, Bewegungsphasen in meinem Unterricht einzubauen. Diesen Wunsch gibt es schon lange in mir und ich bin auch davon überzeugt, dass Bewegungspausen im Unterricht den SchülerInnen helfen würden zwischendurch loszulassen, zu entspannen um dann wieder konzentrierter Lernen zu können. Dennoch hat es eine Weile gedauert, bis ich es ausprobiert habe.
Lange Zeit habe ich mich von der zweifelnden Stimme abhalten lassen:
Aber was, wenn die SchülerInnen meine ausgesuchten Bewegungen blöd oder peinlich finden? 

Wenn ich Bewegungspausen mache im Unterricht, dann komme ich am Ende mit meinem Stoff nicht durch. 

Ich stand mir selbst im Weg mit der Suche nach den perfekten Bewegungen und meiner Angst eine Aufgabe nicht zu erfüllen. Paradoxerweise war ich mir die ganze Zeit sicher, dass ich mit entspannten und konzentrierten Schülern den Stoff locker auch in deutlich kürzerer Zeit hinbekomme.Dennoch habe ich eine ganze Weile häufig den Mut nicht gefunden, die geplante Bewegungspause auch durchzuführen.
Mittlerweile habe ich es gewagt und weiß, dass es nicht die perfekte Bewegung braucht. Das Entscheidende ist einfach, dass wir uns bewegen, am Ende egal wie.

Was hat sich bewährt?
Uno spielen – eine Idee von Prof. Dr. Christian Andrä

Wie das ganze funktioniert findest du gut in folgendem Video erklärt: https://youtu.be/YRflVOyxDJc?feature=shared.
Auch eine Anwendung für den Fremdsprachenunterricht wird gegeben.

Dieses Spiel habe ich immer wieder mit meiner Kursstufe gespielt und auch mit meinen 9ern. Sogar mal während einer Klassenarbeit. Die Kursstufe hat in einer Reflexion mitgeteilt, dass sie die Bewegungspause gerne noch öfters gehabt hätten, weil sie sich danach besser konzentrieren konnten und es für eine gute Lernatmosphäre gesorgt hat. 

Am Anfang empfiehlt es sich die Sonderkarten rauszulassen. Ich habe nach einer Weile die Verantwortung an jeweils eine(n) SchülerIn abgegeben und diese(r) hat 5 oder 10 Karten gezogen und auch mit Hilfe meiner Präsentation die Bewegungen angesagt. 

Vielleicht haben deine SchülerInnen auch gute Ideen für andere Bewegungen. 

Zahlen Ping-Pong im Fremdsprachenunterricht – nach einer Idee von Prof. Dr. Christian Andrä

Zahlen bereiten SchülerInnen in der Fremdsprache immer wieder große Probleme, vor allem dann, wenn sie nicht regelmäßig geübt werden. Eine Möglichkeit Zahlen spielerisch zu wiederholen und die SchülerInnen dazu noch in Bewegung zu bringen habe ich mit Hilfe einer weiteren Idee von Dr. Christian Andrä gefunden. Dem Zahlen-Ping Pong. 
Für diese Phase verlassen wir meistens das Klassenzimmer, da sich die SchülerInnen in zwei Reihen mit Abstand paarweise gegenüber stehen müssen.) Bei schönem Wetter gehe ich raus oder ich gehe an einen Ort im Schulhaus mit Platz, an dem ich Andere nicht störe. Ich hoffe solche Orte gibt es auch bei euch im Schulhaus. Positiver Nebeneffekt: die SchülerInnen stehen mal auf und kommen durch den Ortswechsel schon in Bewegung. Diese Phase des Übergangs kann genutzt werden, um die SchülerInnen miteinander ins Gespräch zu bringen. Ich kann sie auffordern sich einen Partner(in) zu suchen, mit der sie normalerweise nicht viel sprechen und sie sollen sich abwechselnd beispielsweise von schönen Erlebnissen der Woche berichten oder drei etwas ausgefallenere Gemeinsamkeiten finden. 
Das Grundprinzip besteht darin, dass sich ein Tennisball zugeworfen wird, eine vorgegebene Zahl, z.B. drei addiert wird und das Ergebnis beim Werfen laut ausgesprochen wird. In einer zweiten Runde kann ich einführen, dass wenn der Ball von oben geworfen wird addiert und wenn der Ball von unten geworfen wird subtrahiert werden soll.
Die Grundidee wird euch in diesem Video erklärt: https://youtube.com/shorts/uZtnKqRSnk0?feature=shared

Wie ihr seht ist diese Idee eigentlich für den Mathematikunterricht gedacht. Das funktioniert jedoch natürlich auch gut in der Fremdsprache und man hat viele Variationsmöglichkeiten. Neben der 3er Reihe kann ich jede beliebige andere Reihe auswählen und ich kann auch die Startzahl variieren, wenn ich möchte, dass größere Zahlen gelernt werden. 
Als dritte Option zu werfen, habe ich den Bodenpass eingeführt. Wenn der Ball mit einem Aufsetzer auf dem Boden zum/zur Partner(in) geworfen wird, dann muss die letzte Zahl verdoppelt werden. 
Sollten Fehler passieren, dann wird einfach wieder bei der Startzahl begonnen.

Lesen oder Monologisches Sprechen in Bewegung

Ich nutze hin und wieder auch gerne Übungsphasen zum monologischen Sprechen, um die SchülerInnen in Bewegung zu bringen. Entweder lasse ich sie im Klassenzimmer, oder wenn möglich auf dem Flur,sich durch den Raum bewegen, während jeder für sich den Lektionstext laut übt oder eine vorbereitete Präsentation laut vor sich hinspricht.

Jetzt hast du liebe Leserin, lieber Leser, einen Einblick gewonnen in meine bisherigen Erfahrung mit Bewegung im Unterricht. Ich konnte feststellen, dass insbesondere das Uno spielen und das Zahlen Ping-Pong  immer für eine gelöste Stimmung im Raum sorgen. Beide Spiele bringen Abwechslung und Spaß.  Meiner Meinung nach lohnt es sich Zeit für Bewegung im Unterricht zu investieren. Die Erfahrung zeigt, dass die SchülerInnen danach meistens konzentrierter und entspannter arbeiten und so schaffe ich den geplanten Stoff auch in kürzerer Zeit. Daher sehe ich in diesem Bereich noch viel Potential für meinen Unterricht. 

Noch mehr Raum für Bewegung

Als eine meiner zentralen Aufgaben als Lehrer sehe ich es an einen Raum zu schaffen, in dem meine SchülerInnen angstfrei sein können und akzeptiert werden, so wie sie sind. Daher ist das Kernelement meiner Arbeit die Gestaltung einer guten Beziehung. Für mich ist es wichtig meine SchülerInnen zu sehen. Was ich darunter alles verstehe, werde ich an anderer Stelle genauer erläutern. Hier nur so viel: im Vordergrund steht ein Wahrnehmen und Respektieren der Bedürfnisse und Grenzen aller Beteiligten, also auch meinen Eigenen, sowie die Schülerin und den Schüler als Mensch zu sehen, der genau so wie er ist, gut und wertvoll ist.
Dies setzt voraus, dass ich mir meiner eigenen Bedürfnisse und Grenzen bewusst bin und dass ich im Unterricht präsent bin, um die Bedürfnisse und Grenzen meiner SchülerInnen bewusst wahrzunehmen. Vielleicht denkst du dir jetzt, wie soll das gehen, dann macht ja jeder was er will. Absolutes Chaos und nichts geht voran. Ich kann dich beruhigen. So ist es in der Realität nicht. Und eine Sache sei noch angemerkt an dieser Stelle:  ich werde nie alle Bedürfnisse erfüllen können, auch werde ich nicht immer verhindern können, dass ich Grenzen überschreite. Darum geht es aber auch gar nicht.  Zu dieser Grundhaltung werde ich, wie gesagt, in naher Zukunft einen Blogbeitrag verfassen. 

Was hat das jetzt mit dem Thema des Beitrags zu tun? Ich nehme das Bedürfnis nach Bewegung bei meinen Schülerinnen häufig wahr. Da ich, wenn möglich, den Bedürfnissen meiner SchülerInnen Beachtung schenken will und es bereits wie erwähnt als sehr wichtig erachte, dass die jungen Menschen sich in der Schule mehr bewegen, möchte ich für Bewegung in Zukunft noch mehr Raum in meinem Unterricht schaffen. Dabei werden verschiedene Elemente aus der Yoga-Praxis und dem QiGong mit einfließen. Das befriedigt nicht nur das Bedürfnis nach Bewegung, sondern hilft den SchülerInnen und mir auch in Kontakt mit unserem eigenen Körper zu kommen.  Außerdem hilft es unser an einem Schulvormittag doch häufig angespanntes Nervensystem zu beruhigen. Diese Kombination, gibt mir ein gutes Gefühl an dieser Stelle den SchülerInnen nicht nur zu signalisieren, dass ich ihr Bedürfnis sehe, sondern es auch gemeinsam mit ihnen stille. 

Vielleicht hast durch diesen Text Lust bekommen dich bei nächster Gelegenheit mit deinen SchülerInnen zu bewegen. Vielleicht gibt es bei dir im Unterricht auch schon immer wieder Phasen der Bewegung. Ich freue mich wenn du deine Erfahrungen mit uns teilst und wir voneinander lernen können.

Wie bringst du deine SchülerInnen in Bewegung? Was hast du für Erfahrungen mit Bewegung im Unterricht gemacht? Wie wirken sich deine Bewegungspausen auf die Stimmung im Klassenzimmer aus?

by SeñorF

Quellenverzeichnis
  1.  https://www.geo.de/wissen/gesundheit/neurogenes-zittern–wie-sich-stress-abschuetteln-laesst-30448892.html 11.02.2025, 19:45 Uhr) ↩︎

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