Lichtblicke #3 -Stufenmodell am MSG

Veranstaltungen von Schüler*Innen für Schüler*Innen

Heute berichte ich euch von einem Lichtblick an meiner Schule, dem Marta-Schanzenbach-Gymnasium. Seit vielen Jahren ist das Schuljahr von einzelnen Klassenstufen durch das Stufenmodell mitgeprägt.

Was ist das Stufenmodell? 

Im Beschluss der Schulgemeinschaft des MSG heißt es dazu:

„Das Stufenmodell am Marta-Schanzenbach-Gymnasium sieht vor, dass die Jahrgangsstufen 8-11 in jedem Jahr  ein  Projekt  organisieren.  Die  Schülerinnen  und  Schüler  organisieren  dieses  Projekt  möglichst selbstständig, werden aber von Lehrern je nach Bedarf unterstützt.“

Das Stufenmodell soll am MSG zur Stärkung der Klassen-bzw. Stufengemeinschaft beitragen. Außerdem soll dadurch eine Möglichkeit geschaffen werden bei der Schülerinnen und Schüler das Organisieren einer Veranstaltung und Zusammenarbeit lernen können. Das Lernen durch Erfahrung steht im Fokus, insbesondere dadurch dass sie jedes Jahr von ihren Erfahrungen der bereits organisierten Veranstaltungen profitieren können. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Mitgestaltung des Schullebens . Insgesamt soll es viel Spaß bereiten und die Schule bunter machen.

Was sind die konkreten Aufgaben?

Die Klassenstufe 8 organisiert eine Fastnachtsparty für die Unterstufe. Eine Halloweenparty für die Klassenstufen 5-9 wird von der Jahrgangsstufe 9 auf die Beine gestellt und ein Jahr später ist die Aufgabe eine Beach und Sport – Summer Party für Alle zu organisieren.
Mit jedem Jahr steigt der Grad der Herausforderung und auch das Publikum wird größer. In Klassenstufe 11 organisieren die Schülerinnen und Schüler vielleicht das Highlight im kulturellen Bereich im Laufe eines Schuljahres am MSG, den Kulturabend. 
Schülerinnen und Schüler mit künstlerischem Talent aus den verschiedenen Bereichen Musik, Tanz, Artistik, Literatur bewerben sich, nehmen an einem Casting teil und können an diesem Abend ein breites Publikum aus SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und auch Interessierten Bürgerinnen und Bürger mit ihren Auftritten begeistern. 

Für mich persönlich ist es immer sehr berührend zu sehen, mit was für einem musikalischen Talent unsere Schülerinnen und Schüler gesegnet sind. Für die Entwicklung der jungen Menschen ist es wichtig, dass sie sich ihren LehrerInnen und Eltern auch außerhalb des Klassenzimmers zeigen können und so kommt es nicht selten vor, dass eine schüchterne Schülerin oder Schüler, der im Klassenzimmer eher still ist, plötzlich völlig selbstbewusst auf der Bühne steht und mit einer zauberhaften Stimme oder seinem Können an einem Instrument alle begeistert und in ihren/seinen Bann zieht. 

Ich bin sehr dankbar, dass ich viele Jahre als Lehrer verschiedene 11. Klassenstufen bei der Organisation des Kulturabends begleiten durfte und hautnah viele positive und emotionale Momente mit den Schülerinnen und Schüler erleben durfte.
Es ist großartig was unsere Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Stufenmodells jedes Jahr auf die Beine stellen.

Gibt es bei euch an der Schule ähnliche Projekte? Ich freue mich, wenn ihr die Lichtblicke mit uns allen teilt.

Zum Abschluss noch einige Stimmen und Erfahrungen von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern zum Stufenmodell und insbesondere zum Kulturabend.

Die Stimme einer 11. Klässlerin

„Als uns das Stufenmodell erstmals vorgestellt wurde und wir erfahren haben,  welche Veranstaltungen wir in den kommenden Schuljahren organisieren dürfen, hatte ich gemischte Gefühle. Einerseits war ich natürlich aufgeregt und voller Vorfreude, andererseits hatte ich großen Respekt vor den bevorstehenden Herausforderungen und der Verantwortung. Diese Bedenken sind jedoch spätestens nach unserem letzten Projekt, dem Kulturabend, verflogen und ich habe gemerkt wie wir alle daran gewachsen sind. Jeder einzelne hat durch dieses Modell gelernt aus seiner Komfortzone heraus zu kommen, sei es Kontakt mit neuen Menschen aufzunehmen oder ein Organisationsteam zu leiten, und manche haben dadurch sogar versteckte Talente entdeckt. Dank dieses Konzepts habe ich nicht nur Organisationsstrukturen entwickelt, die mir tatsächlich in meinem Schulpraktikum sehr hilfreich waren, sondern auch unsere Stufe ist als verantwortungsvolle Gemeinschaft gestärkt worden. In diesem Fall hat uns die Schule wirklich etwas für das Leben beigebracht!“

Die Stimme eines ehemaligen Schülers

„Zunächst kam ich mit dem Stufenmodell des MSG als Teilnehmer bei den Veranstaltungen in Kontakt. Der erste Besuch der Halloween-Party in der 5. Klasse war ein Highlight, an das ich mich bis heute gut erinnern kann. Anschließend konnte ich mit verschiedenen Gruppierungen beim Kulturabend auftreten, der immer einen tollen Rahmen und Ansporn zur musikalischen Aktivität geboten hat. Später dann selbst für die Organisation und Durchführung eines solchen Events zuständig zu sein, war eine tolle Gelegenheit, Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit anderen für ein gemeinsames Ziel zu sammeln. Es war für mich und viele meiner Mitschülerinnen und Mitschüler sehr motivierend, einen kleinen Beitrag zu einem großen Ganzen zu leisten und Verantwortung für das Stattfinden und Gelingen einer Veranstaltung zu tragen. Bildlich habe ich eine Planungssitzung für den Kulturabend in der 10. Klasse vor Augen, in der es eine enorm positive Dynamik gab und es ein Leichtes war, Freiwillige für einzelne Aufgaben und Tätigkeiten zu finden. Darauf konnten wir dann in der Kursstufe bei weiteren Projekten aufbauen. Drüber hinaus profitiere ich bis heute als Musiker und bei der Ausübung von Ehrenämtern von all den Erfahrungen, die ich im Rahmen des Stufenmodells sammeln durfte.“

Die Stimme einer Kollegin

„Als Lehrerin gefällt und fasziniert mich der Kulturabend in zweierlei Hinsicht: 

Zunächst die Elftklässer*innen als Organisator*innen, die jedes Jahr zunächst fürchterlich schimpfen: So viel Arbeit, nicht alle lassen sich gleichermaßen motivieren, einige wenige müssen sich um einiges Mehr kümmern, alles zum „normalen“ Unterrichtalltag hinzu… Dann aber steht der Abend an und schon vorher wird die Aula gemäß des selbst gewählten Mottos geschmückt, dekoriert, ein Bühnenbild gefertigt, Castings organisiert, Generalproben abgehalten – so viel an Geschick und Talent wird gefordert und eingebracht, was geforderte Kompetenzen im Bildungsplan voll erfüllt, aber doch im Unterrichtsalltag so oft von uns Lehrkräften übersehen oder nicht ausreichend geschult wird. Und plötzlich sehen wir, was in den Kindern steckt, die uns sonst gegenüber sitzen und häufig noch so „klein“, unselbstständig und manchmal auch unmotiviert vorkommen. Von wegen! Und dann der Abend selbst: Alle haben sich zum Motto passend angezogen, ja herausgeputzt, es gibt Elfklässler*innen, die mutig, witzig und aufgeregt als Moderator*innen durch den Abend führen – und es sind nicht immer diejenigen, von denen man das gedacht hätte. Wenn alle am Ende auf der Bühne stehen und gemeinsam singen oder musizieren, so ist das natürlich ein traditionell vorausgesetzter, nicht immer freiwilliger Auftritt und allzu zu oft verstecken sich die in tiefem Bass brummelnden jungen Männer hinter den Mädchen – nein, jungen Frauen – ihres Jahrgangs. Aber: ein Gänsehautmoment. Sie haben diesen Abend irgendwie doch gemeinsam auf die Beine gestellt und stehen plötzlich als junge Erwachsene vor uns! Gänsehaut und die Gewissheit: Sie werden ihren Weg machen. Sie sind bereit dazu. 

Und dann natürlich erfreue ich mich an denjenigen, die mitmachen, die sich oft sogar alleine auf die große Bühne vor die Schulgemeinschaft trauen. Egal, ob Fünftklässler*innen, die Diabolokünste zeigen oder Achtklässler*innen, die musizieren und singen oder die vielen verschiedenen Jahrgänge der Tanz-AGs, die ihre lange geprobten Choreographien vorzeigen – welch Mut gehört dazu und wieviel Aufregung muss überwunden werden! Ich bin immer wieder begeistert! Im letzten Jahr hat ein Kursstufenschüler, der ehemals ein kleiner, schüchterner, zurückhaltender Fünftklässler war, den ich als Klassenlehrerin begleiten durfte, mit hellstem Tenor eine Ballade solo intoniert und so interpretiert, dass mir die Tränen in die Augen stiegen. Der Kulturabend zeigt uns immer wieder: Schule ist so viel mehr als Unterricht!“ 

Die Stimme einer Mutter

„Als Mutter dreier Kinder an unserer Schule finde ich es wunderbar, dass die Identifikation mit ihrer Schule durch das Stufenmodell und solch eine Veranstaltung wie den Kulturabend gestärkt wird. Der Abend ist aufgrund der unterschiedlichen Talente sehr abwechlsungsreich und zeigt den Kindern, was in anderen steckt, was man eben im Schulalltag nicht unbedingt sehen kann. Klassenkameraden werden für ihre Auftritte bejubelt und durch Anwesenheit unterstützt. Und bei eigenen Auftritten Mut und Stärke bewiesen, auch wenn nicht immer alles so klappt, wie erwartet (meine Tochter hatte zum Beispiel ein Instrumental-Duett mit ihrer Freundin einstudiert, die dann krank wurde und auf Bitten der Organisatoren spielte sie dann ganz alleine mit Klavierbegleitung ihres Musiklehrers und natürlich war diese kurzfristige Änderung schwierig) – so ist das Leben!“

by SeñorF

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