Wenn ich mir vorstelle, dass ich mir am Ende von einer Unterrichtsstunde, am Ende eines Schultages, am Ende einer Korrektur, am Ende eines Tages auf einer Studienfahrt folgende Frage stellen würde:
Was gab es heute zu feiern?
Dann wären das hier eine Auswahl von Antworten aus meinem Alltag:
Heute hat sich eine Schülerin, die in meinem Unterricht sonst nie was sagt, freiwillig gemeldet und das sogar gleich zweimal.
Beispiele aus meinem Lehrerleben
Die Schülerinnen und Schüler haben die Lösungen der Hausaufgabe selbstständig kontrolliert und abgehackt was richtig ist. Beim durch die Reihen gehen habe ich in viele Hefte mit ganz vielen Haken geschaut.
Mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler verstehen den Arbeitsauftrag auf Anhieb und sprechen in der Fremdsprache über die angegebenen Fragen.
Eine Schülerin, die am Anfang des Schuljahres in einem Fragebogen als Antwort auf die Frage: «Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an Mathe denkst?» geschrieben hat: Chaos, Angst und Panik, sagt mir nach ein paar Monaten Unterricht: «Mir macht Mathe Spaß und ich komme gerne in Ihren Unterricht» und ich beobachte, dass sie konzentriert arbeitet, sich freiwillig am Unterricht beteiligt und ihre Hausaufgaben regelmäßig und sehr ordentlich erledigt.
Es ist Freitag 5. Stunde. Ich befinde mich mit 31 Achtklässler in einem Container, weil das Schulhaus gerade saniert wird. Ich zeige über den Beamer 5 Aufgaben zur Wiederholung (ein Ritual zu Stundenbeginn). Ich bitte meine Schülerinnen und Schüler in Einzelarbeit diese Aufgaben zu lösen und beobachte wie alle direkt anfangen zu rechnen und es mucksmäuschenstill ist.
Ich habe Arbeitsblätter ausgeteilt und eine Schülerin bat mich von sich aus ihr zwei zu geben, damit sie es dem kranken Mitschüler am Nachmittag vorbeibringen kann.
Ein Schüler der in den letzten Wochen nie die Hausaufgaben gemacht, hat heute die Hausaufgaben gemacht.
Ich bin mit angehenden Abiturienten in Berlin auf Studienfahrt und haben an einer Führung in einer Gedenkstätte teilgenommen und alle haben sich respektvoll verhalten, interessiert zugehört und einige Fragen gestellt.
Mein Spanischkurs ist mutig, zeigt sich offen und probiert die lokale Gastronomie aus, anstatt sich in irgendwelchen FastFood Ketten zu verköstigen.
Eine Schülerin, die noch nie besser als eine 4 geschrieben hat, erreicht in der aktuellen Arbeit die Note befriedigend.
Es ist Gruppenarbeitsphase und ich beobachte wie in einer der Gruppen intensiv über das Thema diskutiert wird, gemeinsam an einer Lösung gearbeitet wird und sie sich gegenseitig helfen zu verstehen, was sie noch nicht verstanden haben.
Ich komme ins Klassenzimmer und bei 29 von 31 Schülern liegt das richtige Buch und alle Arbeitsmaterialien auf dem Tisch und sie warten ruhig, bis ich den Unterricht beginne.
Was fallen dir für Situationen ein?
Ich könnte die Liste ewig fortführen. An jedem Tag gibt es viele Kleinigkeit zu feiern. Im Alltag vergessen wir das feiern leider häufig. Vielleicht hast du auch gerade bei manchen Beispielen gedacht, dass ist doch normal, das ist doch kein Grund zu feiern. Doch ist es. Wieso sollten wir nicht feiern, dass unsere Schülerinnen und Schüler das machen, was wir von ihnen erwarten? Wir beschweren uns ja auch, wenn einer von 31 nicht das macht, was wir von ihm erwarten.
Dieser Beitrag soll euch liebe Leserinnen und Leser als Inspiration dienen, Lichtblicke in eurem Alltag zu finden. Er soll zeigen, dass es nicht um das Spektakuläre, das Besondere gehen soll in diesem Blog und in unserem Leben, sondern darum das zu feiern und würdigen, was wir häufig als selbstverständlich hinnehmen. Vielleicht würdigst du diese Sachen bereits schon, und wenn nicht, dann ist das völlig in Ordnung. Wir haben jeden Tag aufs Neue die Chance damit anzufangen nichts als selbstverständlich zu nehmen.
Also was gibt es heute zu feiern?
Ich freue mich mit dir über deine kleinen und großen Lichtblicke des Tages. Falls du Lust hast sie zu teilen, dann freue ich mich daran teilhaben zu können. Lasst gerne einen Kommentar da.
by SeñorF
